Frauenarzt Dr. Prätorius

Frauenarzt Dr. Prätorius

Edition Filmmuseum 14

Dr. Prätorius, ein erfolgreicher Arzt und Universitätsprofessor, der im Humor die beste Medizin sieht, gerät durch seine Hilfsbereitschaft in die Situation, um die Hand einer seiner Studentinnen anhalten zu müssen, obwohl er das Mädchen kaum kennt. Der große Humorist Curt Goetz (18881960) war ein Meister des geistreichen Dialogs und der beste Interpret und Regisseur seiner Werke. Die Verfilmung seines Theaterstücks war einer der großen Erfolge des deutschen Films der frühen Nachkriegsjahre. Die DVD präsentiert die restaurierte Originalfasssung des Films inklusive eines Hörspiels von Curt Goetz und eines Interviews mit Valerie von Martens.

Die Filme

Frauenarzt Dr. Prätorius - BRD 1949 - Drehbuch und Regie: Curt Goetz & Karl Peter Gillmann, nach dem Theaterstück von Curt Goetz - Kamera: Fritz Arno Wagner - Musik: Franz Grothe - Darsteller: Curt Goetz (Dr. Hiob Prätorius), Valerie von Martens (Maria Violetta), Erich Ponto (Professor Speiter), Bruno Hübner (Shunderson), Albert Florath (Pastor Höllriegel), Rudolf Reiff (Professor Klotz) - Produktion: Hans Domnick Filmproduktion GmbH, Göttingen - Premiere: 15. Januar 1950 (Gloria-Palast, Berlin)

Erinnerungen an Curt Goetz - Valerie von Martens-Goetz erzählt - BRD 1983 - Drehbuch und Regie: Horst Jaedicke - Kamera: Heribert Schuster - Fernsehbearbeitung: Andreas Oesterle - Produktion: Süddeutscher Rundfunk (heute: Südwestrundfunk), Stuttgart

Tondokument

Das Märchen - Österreich 1947 - Hörspiel und Regie: Curt Goetz Mit: Curt Goetz (Lord), Valerie von Martens (Nadja), Alfred Huttig (Advokat Hastings), Theodor Grieg (Herr Charly), Hans Radvanyi (Sprecher) Produktion: Österreichischer Rundfunk, Wien Premiere: 26.5.1947 (ORF)

Über den Film

Curt Goetz: Selbst-Kritik

Soeben ist mir der Gedanke gekommen, daß in der Harmonie meines künstlerischen Schaffens eine Lücke klafft.

Ich schreibe mir meine Stücke selbst, ich inszeniere und spiele sie selbst, warum, bei allen Heiligen, schreibe ich mir nicht auch meine Kritiken selbst? Ich muß doch am besten wissen, was ich gewollt habe und was danebengegangen ist. Namentlich das letztere! Warum, bei allen Teufeln, tue ich es also nicht? Zunächst einmal, weil es nicht so ist, dann aber auch, weil meine kritischen Kollegen von der Zunft mich immer sehr verwöhnt haben und weil es natürlich idiotisch ist, Mitmenschen auf Fehler aufmerksam zu machen, die jene so freundlich sind zu übersehen. Wenn es mich trotzdem reizt, es einmal zu versuchen, so geschieht es, weil es mich reizt, es einmal zu versuchen.

Ich lehne mich also zurück, distanziere mich völlig von dem Autor Goetz, dem Regisseur Goetz, dem Darsteller Goetz und bin nur noch Kritiker. (Schon lange habe ich mir gewünscht, einmal an die drei ranzukommen.)

Das erste, was mir auffällt, während ich mir meine Zigarre anzünde, ist die wohlig aufdämmernde Erkenntnis, daß es verdammt leichter ist, eine Sache zu kritisieren als eine zu schaffen, verdammt bequemer, im warmen Lehnstuhl über ein fertiges Produkt zu Gericht zu sitzen, als im zugigen Atelier eine vage Vorstellung allen technischen Schwierigkeiten zum Trotz in greifbare Wirklichkeit umzugießen. Ich schlürfe diese für mich neue Sensation und lasse mich darin auch nicht durch die Bemerkungen stören, die der Herr Regisseur, der Autor und der Darsteller in ihre Bärte murmeln. (Sie haben welche, denn sie stehen seit 17 respektive 23 Stunden im Atelier.) Jene immer wiederkehrende alberne Bemerkung: »Machen Sie es doch besser, Sie Trottel!«

Ich bin als Kritiker über solche Entgleisungen erhaben, bin ich mir doch bewußt, daß ich sehr wohl beurteilen kann, ob ein Ei gut oder schlecht ist, ohne verpflichtet zu sein, selber welche legen zu können. Na also! Es ist auch nicht meine Aufgabe, auf die schier unüberwindlichen Schwierigkeiten hinzuweisen, unter denen heute in Deutschland ein Film gedreht werden muß, wo Zeit und Geld so knapp sind, daß eine mißlungene Szene kaum wiederholt werden kann. Wenn ich so nett bin, das zu erwähnen, so ist das, wie gesagt, sehr nett von mir, nötig habe ich es nicht. Meine Aufgabe ist lediglich, das fertige Produkt unter die kritische Lupe zu nehmen. Und dieses fertige Produkt ist...

Fangen wir beim Manuskript an:

Deswegen muß ich gleich mal mit dem Autor sprechen! Es gelang mir, ihn zwischen zwei Jupiterlampen am Jackettknopf zu fassen:

»Sagen Sie, Herr Goetz, warum haben Sie im Filmmanuskript im Gegensatz zum Theaterstück die Konzession eines happy end gemacht? Wir haben uns alle darauf gefreut, daß Sie einmal keine Konzession dem Film gegenüber machen würden.«

Der Autor beobachtete nicht ohne Interesse meine Finger an seinem Jackettknopf, dann sagte er:»Obschi!« Der Autor hatte nicht geniest, wie man annehmen könnte, sondern der Mann, den er »Obschi« nannte, war der Propagandachef der Firma, der eigentlich dafür zu sorgen hatte, Leute wie mich Herrn Goetz vom Halse zu halten. »Obschi« war mit Recht eine Abkürzung. Den ganzen Namen konnte kein Mensch behalten, er lag akustisch zwischen Observatorium, Czernowitz und Stalingrad und dürfte außerdem ein Pseudonym sein, denn »Obscherningkat« kann kein Mensch heißen.

»Obschi, wer ist dieser Mann?«

»Das ist einer unserer gefurchtesten Kritiker«, stellte mich Obschi vor.

»Wie reizend«, sagte der Autor mit einem undurchdringlichen Lächeln.

»Ja«, beharrte ich, »warum haben Sie diese Konzession gemacht?«

»Hätten Sie«, fragte er, »das happy end als solches empfunden, wenn Sie das Theaterstück nicht gekannt hätten?«

»Nein...«

»Na sehen Sie!«

»Aber der Gedanke, daß Prätorius wie jeder Prophet an seiner Lehre stirbt, war doch sehr schön ...«

»Schöner ist der Gedanke, daß er leben bleibt, finden Sie nicht?«

»Ja.Das heißt...«

»Sie haben eben impulsiv >ja< gesagt! Das war Ihr Gefühl, das gesprochen hat. Was Sie dann noch sagen wollten, wollte Ihr Verstand sagen. Im Film hat der Verstand dem Gefühl Platz zu machen, was nicht heißen soll, daß es so idiotisch und sentimental sein muß, wie manche Filme es sind. Wenn das Kinopublikum Herrn und Frau Professor Prätorius liebgewonnen hat und es muß sie liebgewinnen, sonst brauchen wir den Film gar nicht erst zu drehen , dann will es nicht zum Schluß diese beiden Menschen mit zerschmetterten Gliedern in irgendeinem Chausseegraben wissen. Diesem natürlichen Instinkt sich zu beugen, ist mehr wert, als eine literarische, etwas versnobte Floskel zu verteidigen.« »Warum haben Sie aber«, entgegnete ich schlagfertig, »diese literarische, etwas versnobte Floskel in Ihrem Theaterstück?«»Weil sie Ihnen zum Beispiel dort so gefallen hat, daß Sie sich jetzt nicht von ihr trennen wollen. Aber ein Theaterstück ist ein Theaterstück, und ein Film ist ein Film. Außerdem trage ich bei einem Theaterstück meine eigene Haut zu Markte ich riskiere, zwei Jahre umsonst gearbeitet zu haben , beim Film habe ich fremdes Geld zu verteidigen.«

»Und Sie glauben, es besser zu verteidigen, wenn Sie dem Publikumsgeschmack Rechnung tragen?«

»Selbstverständlich, mein Verehrtester. Von den paar Fachleuten, die auf Freikarten im Theater sitzen, können wir keinen nächsten Film drehen. Außerdem ist der Publikumsgeschmack besser, als Sie denken. Er wird nur zu wenig auf die Probe gestellt. Wenn man ihm nur die Wahl läßt zwischen Schund und literarischem Geniekotzertum, wird es mit Recht den Schund wählen. Man sollte versuchen ...«

»Und das versuchen Sie jetzt«, unterbrach ich den Autor.

»Eben. Es ist wie in der Politik. Man wird immer nur gefragt: >Rechts oder links ?< Daß es auch eine Mitte gibt, einen gesunden Menschenverstand, gepaart mit anständiger Gesinnung, scheint man vergessen zuhaben.«

»Und das ist ja wohl auch die Tendenz Ihres Filmes, wenn ich Sie recht verstanden habe?«

»Sie haben. Und deshalb vielleicht kann man diesen Film als reaktionär bezeichnen, weil gesunder Menschenverstand und anständige Gesinnung in der Tat etwas Verstaubtes haben.«

»Er ist auch ein Appell an die Jugend und eine Hymne auf die Lebensfreude, nicht wahr?«

»Richtig.«,

»Daher das >Gaudeamus< am Schluß?«

»So ist es.«

»Wie sind Sie mit Ihrem Oberregisseur Goetz zufrieden, Herr Goetz?«

»Dieser nüchterne, größenwahnsinnige Praktiker schmeißt alles um, was ich mir als Autor ausgedacht habe. Ich hasse ihn.«

DVD-Features

  • Frauenarzt Dr. Prätorius 1949, 92'
  • Filmtrailer zu Curt-Goetz-Filmen 1949-1952, 9'
  • Erinnerungen an Curt Goetz - Valerie von Martens-Goetz erzählt 1983, 8'
  • Hörspiel Das Märchen 1947, 39'
  • 12seitiges Booklet mit Texten von Curt Goetz und Fritz Göttler

Herausgeber: Filmmuseum München, Goethe-Institut München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drössler

1. Auflage Juli 2007, 2. Auflage Oktober 2007, 3. Auflage Dezember 2008, 4. Auflage März 2009, 5. Auflage 2009, 6. Auflage November 2010, 7. Auflage Januar 2012, 9. Auflage Dezember 2014, 10. Auflage November 2016

Trailer zum Film

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