Vom Reiche der sechs Punkte

Vom Reiche der sechs Punkte

Edition Filmmuseum 19

Ein ungewöhnlicher Stummfilm, der abseits der großen Filmzentren Berlin und München entstand: Die Geschichte eines Stahlarbeiter, der sein Augenlicht verliert und sich mit seinem Schicksal als Blinder abfinden muß, schildert in eindrucksvollen dokumentarischen Bildern das Leben und die Arbeit in den Blindenanstalten in Köln, Düren und Neuwied. Darüberhinaus enthält dieses einzigartige Dokument seltene Aufnahmen aus der Eifel und von der Stadt Düren vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Die zuschaltbare Audiodeskription für Sehbehinderte wurde mit dem Deutschen Hörfilmpreis 2008 ausgezeichnet.

Der Film

Vom Reiche der sechs Punkte - Deutschland 1927 - Regie: Hugo Rütters - Drehbuch: Hugo Rütters, Robert Wirtz, Hubert Horbach - Darsteller: Herr Metzler, Lotte Kleinschmidt, Robert Wirtz, Hubert Horbach, Petri, Heinrich Langen - Produktion: Neuland-Kinematographie GmbH, Köln - Premiere: 13.12.1927, Düren - Restaurierung 2006: Filmmuseum München - Edition: Stefan Drössler - Bildbearbeitung: Christian Ketels, Hartmut Böhme - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

Über den Film

Als der Rheinische Blindenfürsorgeverein (RBV) sich im Jahre 1986 anschickte, sein 100-jähriges Jubiläum zu feiern, stieß man bei den Vorbereitungen zur Erstellung der Festschrift auf Unterlagen, die besagten, daß der Verein in den Jahren 1926/27 einen dokumentarischen Spielfilm mit dem Titel "Vom Reiche der sechs Punkte" über die Tätigkeitsgebiete des Blindenwesens drehen ließ. Der Film hatte eine Vorführdauer von 100 Minuten, wurde in Düren uraufgeführt und in weiteren 32 Städten mehrfach gezeigt. Eine Filmkopie wurde nach Finnland verkauft. Doch trotz umfangreicher Recherchen - auch noch später in den 1990-er Jahren - konnte keine Kopie des Films mehr aufgetrieben werden.

Es war dann ein Zufall, daß der Geschäftsführer des RBV in einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Düren von der Aufführung eben dieses Films bei den Internationalen Stummfilmtagen in Bonn erfuhr. Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums in München, stieß während einer Reise durch Finnland auf die einzige noch existierende Filmkopie und konnte sie für das Filmmuseum erwerben. Der Film wurde in München aufwendig restauriert und mit neuen deutschen Zwischentiteln versehen.

Am 20. August 2006 gelangte der Film dann im Rheinischen Landesmuseum Bonn mit viel Präsenz Dürener Bürger zur Wiederaufführung. Die Zuschauer sahen eine hervorragend restaurierten Stummfilm, der in den Originaltönen eingefärbt und mit neuen Zwischentiteln versehen war.Über die Spielhandlung ein späterblindeter Ingenieur erlebt über seine Rehabilitation in der damaligen Blindenanstalt Düren ein neues Lebensgefühl als Blinder wird der damalige Stand der Blindenbildung vom Kindesalter bis zur Erwachsenen- und Berufsausbildung dokumentiert.

Teilweise ergreifend für einige ältere Zuschauer war das Wiedersehen mit Personen und Wiederentdecken von Gebäuden, Straßen und Orten, die sich im Zustand der damaligen Zeit darboten. Auch lokal bekannte Persönlichkeiten dieser Epoche wurden wiedererkannt. So trat der "alte Dr. Wirtz", Augenarzt in Düren, ebenso auf wie auch der damalige Leiter der Blindenanstalt, Horbach, der ebenfalls in einigen Spielszenen schauspielernd agierte. Eine Zuschauerin erkannte in dem mitspielenden blinden Organisten ihren längst verstorbenen Vater wieder. Längere Passagen zeigten die Gebäude des damaligen Annaheims heute Anna-Schoeller-Haus - und dessen Bewohner, die im Park für den Film posierten. In den Werkstätten der Arbeitshilfe in der Alten Jülicher Straße wurde die damalige Korbflechterei sowie die Bürstenzieherei gezeigt. Auch die Gebäude und Räumlichkeiten der Blindenschule mit den blinden Schülern sowie die damaligen Unterrichtsmethoden und Lehrmittel wurden eindrucksvoll dokumentiert. Die zu jener Zeit häufigsten Krankheiten, die zur Erblindung führten wurden anschaulich an Patienten des Dürener Krankenhauses demonstriert.

Gerade für die Dürener Besucher bedeutete dieser Film eine Zeitreise zurück in das unzerstörte Düren vor dem zweiten Weltkrieg, oder, wie an einem Ausflug der gesamten Blindenanstalt gezeigt, in eine Eifel, in der es nur den See der Urftalsperre gab, auf der längere Bootsfahrten möglich waren. Alle anderen heute bekannten Talsperren in der Eifel existierten zu dieser Zeit noch nicht.

Am Klavier wurde die Vorführung begleitet von Joachim Bärenz, der die Atmosphäre jeder Filmszene mit seinem Spiel eindrucksvoll hervorhob.

Franz Weingartz, 2006

DVD-Features

  • Vom Reiche der sechs Punkte (viragiert und getoned) 1927, 100'
  • Kapitelauswahl
  • Klavierbegleitung von Joachim Bärenz
  • Audiodeskription für Sehbehinderte
  • Booklet mit Texten zum Film und Blindenschrift-Alphabet
  • ROM-Bereich mit zeitgenössischen Pressestimmen und Dokumenten zur Geschichte der Blindenfürsorge

Herausgeber: Bonner Kinemathek, Filmmuseum München und Rheinischer Blindenfürsorgeverein Düren
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drössler

1. Auflage November 2007, 2. Auflage Januar 2009

Trailer zum Film

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel Regionalcode
4:3 (PAL)
1,33:1
Musikbegleitung
Dolby Digital 2.0
(Stereo)
Deutsche Zwischentitel
Englisch
0
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