Dokumentarisch Arbeiten 1

Dokumentarisch Arbeiten 1

Edition Filmmuseum 17

Vier Dokumentaristen, vier Gespräche, vier Autoren des deutschen Dokumentarfilms seit den 60er Jahren. "Autor", ein Wort, das man üblicherweise mit dem Dokumentarfilm nicht in Verbindung bringt und das doch zumindest bei den hier vorgestellten Regisseuren seine Berechtigung hat: Jürgen Böttcher, Peter Nestler, Volker Koepp und Klaus Wildenhahn. Gemeinsam ist ihnen allen, daß sie den Dokumentarfilm für sich als eigenständige filmische Ausdrucksweise entdeckt und einen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt zu haben. Christoph Hübner gelingt es, sich den unterschiedlichen Persönlichkeiten zu nähern und ihre Arbeitsweisen und Positionen zum dokumentarischen Arbeiten anhand von Ausschnitten aus Schlüsselwerken zu vermitteln.

Der Film

Dokumentarisch Arbeiten 1 - Deutschland 1990-95 - Regie und Kamera: Christoph Hübner - Mitarbeit und Ton: Gabriele Voss - Mit: Jürgen Böttcher, Volker Koepp, Peter Nestler, Klaus Wildenhahn - Produktion: Lichtblick Film und Videoproduktion, Köln / Christoph Hübner Filmproduktion, Witten

Über das Projekt

Das Warten so heißt ein Film von Peter Nestler, einem der Filmemacher in dieser Gesprächsreihe. Das Warten ist für alle dokumentarische Arbeit etwas Zentrales. Das Wartenkönnen auf den richtigen Moment, auf das richtige Licht, auf die Situation, in der sich etwas zeigt, das Wartenkönnen auf die kurzen Augenblicke von Wahrheit, nach denen man immer wieder sucht ohne das ist dokumentarische Arbeit nicht vorstellbar.

Das Wartenkönnen, die Geduld, das Zuhören und Nachfragen, das Zeitlassen für die Entfaltung eines eines Gedankens, aber auch die Neugier und die Offenheit für das, was sich ergibt das alles bestimmte auch die Haltung meiner Gespräche mit den Dokumentaristen-Kollegen.

Fast alle kenne ich seit längerem, mit manchen bin ich befreundet, zu vielen gibt es einen Bezug in meiner eigenen Arbeit. Und doch war mir kaum einmal zuvor so deutlich, wie sehr die dokumentarische Arbeit auch eine Arbeit von Autoren ist und entsprechend unterschiedlich in Ergebnis und Haltung. Diese Gespräche entwerfen geradezu ein Gegenbild zu der üblichen Vorstellung von Dokumentarfilm als der einfachen Abbildung von Vorgängen, dem Kamera-Draufhalten, der "objektiven" Reportage.

Der Dokumentarfilm als Autorenfilm in der Eigenart der Sujets, aber auch in der Arbeit mit der Form. Vom Dokumentarfilm erwartet man üblicherweise keine besondere Beschäftigung mit den Fragen der Form tatsächlich aber ist das Dokumentarische ganz stark Formarbeit, zumal es nichts Vorgefertigtes gibt, keine Routine, auf die man immer wieder zurückgreifen kann. Jeder Film, jeder Stoff, jede dokumentarische Geschichte muß sich die passende Form immer wieder neu erfinden. Nicht zuletzt in der Montage: Sie ist oft schwieriger, zeitraubender und anspruchsvoller für einen langen Dokumentarfilm als für einen ebenso langen Spielfilm, der seine Erzählung schon im Drehbuch festgelegt hat. Im Dokumentarfilm entsteht die Erzählung, "das Buch", wenn man so will, häufig erst am Schneidetisch, und Schnittzeiten von einem halben, manchmal einem ganzen Jahr sind keine Seltenheit. Wenn man den Film dann sieht, wird diese Formarbeit in den seltensten Fällen als solche wahrgenommen. Deshalb war es mir auch ein Anliegen, von diesem Teil der Arbeit, der Ästhetik, der "Kunst" im Dokumentarfilm einmal öffentlich zu sprechen.

So unterschiedlich wie die Handschrift der einzelnen Autoren, so verschieden ist vielleicht auch die Art der Gespräche von dem, was man üblicherweise kennt. Die Gespräche heißen deshalb auch bewußt "Gespräche" und nicht "Interviews", weil das Gespräch für mich eine gemeinsame Bewegung enthält: Man ist offen für das, was sich ergibt, man folgt den Spuren und dem Rhythmus des Denkens und Sprechens. Man vertraut auf die gegenseitige Intuition und das gemeinsame Interesse.

Vielleicht ist dieses die Kunst der Gesprächsführung im Dokumentarfilm wenn man es eine Kunst nennen will: daß man einen Raum schafft, in dem der andere sich entfalten kann, in dem seine Grundtöne zum Klingen kommen. Dabei schätze ich an der dokumentarischen Arbeit besonders die Möglichkeit des Entdeckens, des Überraschtwerdens. Und ich bin der festen Überzeugung. Und ich bin der festen Überzeugung: Wenn man etwas von dieser Art der Offenheit, der Entdeckungsreise, des Überraschenden im Ergebnis erhält, hat man auch den Zuschauer auf seiner Seite.

Christoph Hübner


DVD-Features (Doppel-DVD)

  • Christoph Hübner im Gespräch mit Jürgen Böttcher 1990, 60'
  • Christoph Hübner im Gespräch mit Peter Nestler 1994, 63'
  • Christoph Hübner im Gespräch mit Volker Koepp 1995, 60'
  • Christoph Hübner im Gespräch mit Klaus Wildenhahn 1995, 62'
  • Booklet mit Text von Christoph Hübner

Herausgeber: Filmmuseum München, Goethe-Institut München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drößler

1. Auflage April 2008

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel Regionalcode
4:3 (PAL)
1,37:1
Dolby Digital 2.0
(mono)
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