Die elf Teufel & König der Mittelstürmer

Die elf Teufel & König der Mittelstürmer

Edition Filmmuseum 08

Die Doppel-DVD stellt die ersten beiden Fußball-Spielfilme der Filmgeschichte vor, die beide im Herbst 1927 in die deutschen Kinos kamen: Die elf Teufel mit Gustav Fröhlich (Metropolis) als Mittelstürmer liegt in einer vollständigen Fassung vor, König der Mittelstürmer mit Paul Richter (Die Nibelungen) in der Titelrolle ist nur in einer Filmkopie erhalten geblieben, die schon starke Zersetzungserscheinungen aufwies. Außerdem enthält die DVD das filmische Dokument des Fußball-Länderspiels Deutschland-Italien aus dem Jahr 1924, in dem Sepp Herberger Mittelstürmer der Deutschen war.

Die Filme

Die elf Teufel - Deutschland 1927 - Regie: Zoltan Korda - Drehbuch: Walter Reisch - Kamera: Leopold Kutzleb, Paul Holzki - Darsteller: Gustav Fröhlich, Evelyn Holt, Lissy Arna, Fritz Alberti, Willy Forst, Jack Mylong-Münz, Harry Nestor, Géza L. Weiss - Produktion: Carl Boese-Film GmbH, Berlin - Premiere: 20.10.1927, Berlin - Restaurierierung: Filmmuseum München, unter Verwendung einer Filmkopie von Gosfilmofond, Moskau - Edition: Stefan Drössler, Gerhard Ullmann, Klaus Volkmer - Musik: Joachim Bärenz - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

König der Mittelstürmer - Deutschland 1927 - Regie: Fritz Freisler - Drehbuch: Hugo Huxhol, Kurt Lauermann - Kamera: Günther Krampf, Artur von Schwertführer - Darsteller: Paul Richter, Aud Egede Nissen, Fritz Alberti, Colette Brettel, Rudolf Lettinger, Carl Walther Meyer, Teddy Bill, Gustav Trautschold - Produktion: Olympia Film GmbH, Berlin - Premiere: 24.11.1927, Berlin - Restaurierierung: Filmmuseum München, unter Verwendung einer Nitro-Kopie der Cineteca Nazionale, Rom, und einer zeitgenössischen deutschen Zensurkarte aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv - Edition: Stefan Drössler, Gerhard Ullmann, Moritz von Roth - Musik: Günter A. Buchwald - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

Der Länderkampf Deutschland-Italien im Duisburger Stadion - Deutschland 1924 - Produktion: Westdeutsche Filmgesellschaft im Auftrag der Stadt Duisburg - Restaurierung: Filmmuseum München und Filmforum Duisburg unter Verwendung einer Umkopierung einer Nitro-Kopie auf 16mm-Sicherheitsfilm aus den 60er Jahren - Edition: Stefan Drössler, Christian Ketels - Musik: Günter A. Buchwald - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

Über Die elf Teufel

Am Anfang steht das Klischee: die Armen und die Reichen, die Redlichen und die Zweifelhaften. Die einen können sich so gut wie nichts leisten, die anderen haben sogar das Geld, um einen Top-Spieler zu kaufen. Die einen haben eine selbst gebastelte Dusche im Freien, die anderen verfügen über einen Indoor-Pool und Massagebänke. Die einen sind die Mitglieder des Arbeiter-Vereins "Linda", die anderen kicken unter Profi-Bedingungen für den Nobelclub "International". Die einen haben ein braves Mädel als guten Geist, die anderen einen Vamp als Lockvogel.

Aus heutiger Sicht muss man Die elf Teufel durchaus als prophetischen Film bezeichnen. Das beginnt schon mit einem frühen Zwischentitel: "Fußball, der Sport des Jahrhunderts". Dann ist ein Ball im Bild, das Licht konzentriert sich auf ihn wie auf einen sakralen Gegenstand. Und wir sehen, dass sich schon damals die Fans auf der Tribüne in handgreifliche Auseinandersetzungen verwickelten.

Nach vielem Trainings-Gekicke und kommerziellen und erotischen Intrigen am Ende endlich der Showdown, das Match, das zeigen soll, wo die besseren Männer sind. Dramaturgisch betrachtet ist die ganze Story eine Ouvertüre für das Finale, für den Pokalfight. Schon damals hat Zoltán Korda begriffen, dass er das Spiel, um der Glaubwürdigkeit willen, in Fragmente zerlegen muss. Für die Totalen gilt, was die Credits offenbaren: "Das Fußballspiel wurde von den bedeutendsten Spielern deutscher Sportvereine durchgeführt." Dabei war auch damals kein Kicker zu identifizieren. So ließen sich die Nah- und Großaufnahmen der Filmfiguren mühelos einmontieren.

Im Verlauf des Spiels werden die Bilder zunehmend schneller geschnitten, bis das ganze fiktive Match seine Eigendynamik entwickelt. Korda erweist sich dabei - knapp drei Jahre nach Murnaus Der letzte Mann - als Meisterschüler der "entfesselten Kamera" und nimmt die heutigen rasanten Kamerafahrten, parallel zur Außenlinie und zum Spielgeschehen, mit beachtlicher Virtuosität vorweg. Den Zuschauern muss es damals den Atem verschlagen haben. Am Ende preist der Film den "einenden Gedanken des Sports". Aber der Subtext, die insgeheimen Zweifel und Fragezeichen an diesem Fazit, sind unübersehbar und lassen einen Hauch von Zynismus spüren.

Hans-Günther Pflaum

Über König der Mittelstürmer

Anders als in den Elf Teufeln wird der Held von König der Mittelstürmer, dessen Namen Tull Harper auf den damaligen HSV-Star Otto Harder, genannt "Tull" Harder, verweist, in seinem sozialen Umfeld ausgiebiger gezeigt: Er ist der Sohn eines Großkaufmanns, der Fußball als "Spielerei" abtut und seinen Sohn als Buchhalter in seiner Firma sehen will. Doch die Firma steht kurz vor der Pleite, und nur die reiche Miß Douglas kann das Unternehmen mit ihrem finanziellen Engagement retten. Als sich ausgerechnet Tull in Miß Douglas verliebt, deutet sie dies als abgekartetes Spiel, um an ihre Millionen heranzukommen. Ihren Einstieg in die Firma nutzt sie deshalb, um Tull Harper als Büroangestellten deutlich zu demütigen.

Der Fußball ist von Anfang an im Film präsent: Es beginnt mit dem Länderspiel Deutschland-Holland direkt zu Anfang, in dem Tull das entscheidende Tor schießt, wir sehen die Tochter des Hauses Harper, die im Büro ihres Vaters ein zusammengeknülltes Blatt Papier mit den Füßen in den Papierkorb befördert, es gibt die Angestellten in der Firma, die zwischen den Schreibtischen mit einem Apfel Fußball spielen, und es werden natürlich die Sportskameraden von Tull gezeigt, nicht nur im Spiel, sondern auch beim Training mit Medizinbällen. Tulls Vater wie dem Zuschauer wird klargemacht: Fußball ist keine simple Spielerei, sondern ein ernstzunehmender Sport. Die Amerikanerin versteht als erste, daß man einen wahren Fußballspieler nicht von seiner Leidenschaft abhalten kann, und weiß so letztendlich das Herz von Tull zu gewinnen.

Das finale Fußballspiel zwischen Alemania und Burgund ist der Höhepunkt, auf den der Film zustrebt. Dieses Finale ähnelt dem von Die elf Teufel. In beiden Filmen sind die Bilder vom Spiel durchsetzt mit dokumentarischen Aufnahmen: Im König der Mittelstürmer handelt es sich um das Meisterschaftsspiel Nürnberg-Hertha Berlin, was man an den Fahnen in den Aufnahmen vom Publikum auf den Rängen leicht erkennen kann. Wie in den Elf Teufeln muß unser Mittelstürmer verletzt das Spielfeld verlassen, tankt in der Kabine dank der zärtlichen Fürsorge seiner Liebsten neue Kraft, stürmt erneut aufs Feld und schießt das entscheidende Tor. Anders als in Die elf Teufel versucht Freisler nicht, das Spiel in sich rhythmisch steigernder Montage von Detailaufnahmen und langen Kamerafahrten zu dynamisieren, sondern konzentriert sich auf Strafraum-Szenen und Spielabläufe, die das Zustandekommen der Tore genauestens nachvollziehbar machen.

Wie sensationell die Fußballspiel-Szenen in Die elf Teufel und König der Mittelstürmer in den 20er Jahren gewirkt haben müssen, vermittelt sich am besten, wenn man den Dokumentarfilm vom Fußball-Länderspiel Deutschland-Italien sieht, das im November 1924 zur Eröffnung des Duisburger Wedaustadions stattgefunden hat und im Auftrag der Stadt Duisburg mitgefilmt wurde. Es ist ein typisches Fußball-Filmdokument, wie es noch viele andere gibt. Die Kamera ist nie bei den entscheidenden Szenen präsent, der Mittelstürmer Sepp Herberger, der spätere Trainer der deutschen Weltmeisterschafts-Elf von 1954, ist im Spiel kaum zu identifizieren. Ausgespart bleibt auch sein persönliches Unglück: Er mußte zur 2. Halbzeit mit gebrochenem Arm ausgewechelt werden. Den rettenden Engel in der Kabine, der verletzte Spieler mit Liebkosungen wieder zu neuen Kraftakten motiviert, gibt es leider nur im Spielfilm: Die Deutschen verloren das Spiel gegen Italien dementsprechend mit 0:1.

Stefan Drößler

DVD-Features (Doppel-DVD)

  • Die elf Teufel 1927, 98'
  • Klavierbegleitung von Joachim Bärenz
  • König der Mittelstürmer 1927, 95'
  • Musikbegleitungen von Günter A. Buchwald: Studioeinspielung mit Flügel, Bratsche und Violine und Live-Mitschnitt einer Aufführung im Filmmuseum München vom 13.4.2006
  • Kapitelauswahl
  • Der Länderkampf Deutschland-Italien im Duisburger Stadion 1924, 9'
  • Klavierbegleitung von Günter A. Buchwald

Herausgeber: Filmmuseum München, Goethe-Institut München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drössler

1. Auflage Juni 2006, 2. Auflage Mai 2012

Besprechung

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel Regionalcode
4:3 (PAL)
1,37:1
Dolby Digital 2.0
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Alle Regionen
Barcode/EAN: 4260100330087

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