München 1945 & Zwischen gestern und morgen

München 1945 & Zwischen gestern und morgen

Edition Filmmuseum 45

Bereits wenige Wochen nach dem Einmarsch der Amerikaner konnte Willi Cronauer im Juni 1945 das zerstörte München filmen. Die einzigartigen Filmaufnahmen wurden für die DVD digitalisiert und restauriert. Schrifttafeln identifizieren die Orte. Harald Brauns Heimkehrerdrama Zwischen gestern und morgen ist der erste Spielfilm, der im Frühjahr 1947 in der amerikanischen Besatzungszone produziert wurde. Gedreht in den Trümmern des Regina-Palast-Hotels und im Bavaria-Studio in Geiselgasteig, trafen sich vor und hinter der Kamera Schauspieler und Techniker, der bereits in Ufa-Produktionen zusammengearbeitet hatten. Hildegard Knef steht für den Neubeginn des westdeutschen Nachkriegsfilms.

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Die Filme

München 1945 - Deutschland 1945 - Drehbuch, Regie und Produktion: Willi Cronauer - Kamera: Bartl Seyr, Kurt Grigoleit - Premiere der restaurierten Fassung: 22. Juli 2010, Filmmuseum München

Zwischen gestern und morgen - Deutschland 1947 - Regie: Harald Braun - Drehbuch: Harald Braun, Herbert Witt, Jacob Geis - Kamera: Günther Anders - Musik: Werner Eisbrenner - Darsteller: Willy Birgel, Winnie Markus, Hildegard Knef, Sibylle Schmitz, Viktor de Kowa, Viktor Staal, Carsta Löck, Erich Ponto - Produktion: Neue Deutsche Filmgesellschaft, München - Premiere: 11. Dezember 1947, Luitpold-Theater München

Über die Filme

Am 30. April 1945 marschieren die amerikanischen Truppen in München, der ehemaligen "Hauptstadt der Bewegung", ein. Eine Woche später, am 8. Mai, folgt die Gesamtkapitulation des Deutschen Reiches unter Großadmiral Dönitz. München gehört zu den stark zerstörten deutschen Städte. 90% der Innenstadt liegt in Trümmern, 22.346 Kriegsgefallene, 6.632 Bombentote, rund 15.000 Verletzte und etwa 300.000 Obdachlose sind zu verzeichnen. Auch wenn die meisten Kinos zerstörtoder beschädigt sind, gab es Ende April noch Filmvorführungen in 15 Münchner Kinos. Ebenfalls unzerstört ist das Gelände der Bavaria-Film in Geiselgasteig, auf dem noch ins Frühjahr 1945 hinein an Filmen gearbeitet wird.

Am 10. Mai wird das Bavaria-Gelände in Geiselgasteig dem 6870th District Information Services Control Command der Information Control Division (ICD) unterstellt. Auch wenn die am 12. Mai in Kraft tretende Information Control regulation No. 1 Ausnahmen vom für Deutsche generell geltenden Verbot der Tätigkeit auf filmischen Gebiet möglich macht, wenn sie sich einer Registrierung und Lizenzierung unterziehen, so werden zunächst keine deutschen Produktionen zugelassen. Die einzige Ausnahme scheint Willi Cronauer gewesen zu sein, der schon ab Juni 1945 in den Trümmern der Stadt Aufnahmen für sein Dokumentarfilmprojekt München 1945 machen kann, das er privat finanziert. Der Bavaria-Film in Geiselgasteig ist jegliche Produktionstätigkeit untersagt. Treuhänder werden mit der Verwaltung des Studios betraut, das zunächst lediglich technische Dienstleistungen anbieten darf.

Am 25. Juli werden einige der unzerstörten Münchner Kinos wiedereröffnet allerdings dienen sie nur der Unterhaltung der US-Soldaten. Erst am 1. August eröffnet das erste Münchner Kino für Zivilpersonen: Das "Gabriel" in der Dachauer Straße nimmt nach drei Monaten Unterbrechung seinen Spielbetrieb wieder auf. Es folgen in rascher Folge weitere Kinos. Die Programme werden mit untertitelten amerikanischen Filmen bestritten, die allesamt vom der ICD unterstellten Allgemeinen Filmverleih (AFI) zugeteilt werden, der auf dem Gelände der Bavaria eingerichtet wurde.8 Im Vorprogramm läuft die seit Mai in London produzierte Wochenschau Welt im Film. Als im August 1945 die Produktion der Welt im Film von London nach Geiselgasteig verlegt wird, steigen die Wochenschaubeiträge über das Geschehen in der Stadt München und in seiner Umgebung deutlich an.

Während in den anderen Besatzungszonen schon Lizenzen für die Gründung deutscher Produktionsfirmen erteilt werden, geschieht in der amerikanischen Zone wenig. Am 14. Juli kommt Erich Pommer als amerikanischer Film Production Control Officer der ICD für drei Wochen nach München und besucht die Bavaria in Geiselgasteig. In einer Pressekonferenz im August 1945 erklärt er, dass "zeitnahe, aus dem deutschen Trümmererlebnis gewachsene Stoffe" die Zukuft des deutschen Films seien und auch das Interesse des Auslands an dem Filmschaffen im Nachkriegsdeutschland wecken könne. Pommer setzt sich vehement dafür ein, dass das ehemalige reichseigene Filmvermögen dazu verwendet wird, die Studios in Tempelhof und Geiselgasteig zu funktionierenden Filmproduktionszentren aufzubauen. Auch setzt er durch, dass ab 20. November 1946 auch in der amerikanischen Besatzungszone Filmproduktionslizenzen vergeben werden: Die ersten Münchner, die eine Lizenz erhalten, sind Fritz Stapenhorst (Carlton-Film GmbH), Fritz Thiery (Bavaria-Filmkunst Treuhandschaft und Helios Film GmbH) und Harald Braun und Jacob Geis (Neue deutsche Filmgesellschaft).

Braun wie Geis sind beide schon im Dritten Reich in der Filmproduktion tätig gewesen, hatten aber nicht an belastenden Propagandafilmen mitgewirkt. Im April 1947 beginnen in den Trümmern des Regina-Palast-Hotels und in den Bavaria-Studios in München-Geiselgasteig die Dreharbeiten zum ersten Spielfilm der amerikanischen Besatzungszone Zwischen gestern und morgen, für den man eine ganze Riege von prominenten Filmstars aus der alten UFA verpflichten kann. Ebenfalls dabei ist Hildegard Knef, die in den letzten Monaten vor dem Kriegsende in Nebenrollen bei der UFA debütiertund gerade in der sowjetischen Besatzungszone den ersten deutschen Nachkriegsfilm Die Mörder sind unter uns (1946) abgedreht hat. Die Wochenschau Welt im Film berichtet in ihrer Ausgabe Nr. 102 vom 9. Mai 1946 von den Dreharbeiten unter dem Titel "Filmstart in Geiselgasteig".

Hans Helmut Kirst berichtet im "Münchner Merkur" von der festlichen Premiere am 11. Dezember 1947: "Gestern abend wurde der erste deutsche Film der US-Zone Zwischen gestern und morgen im Luitpold-Theater uraufgeführt. Der Gouverneur für Bayern, Mr. Wagoner, und Vertreter der Militärregierung, der Ministerien und der Stadt München waren anwesend. Es sprachen Mr. Rogers, Chief of Film, Theater und Music-Branch, Staatssekretär Sattler und Oberbürgermeister Dr. Scharnagel. Nach dem beifällig aufgenommenen Film zeigten sich Winnie Markus, Willy Birgel, Viktor Staal, AdolfGondrell und Walter Kiaulehn dem Publikum." Nach Angaben des Schorcht-Filmverleihs verzeichnet der Film 2.815.265 Besucher und ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Filme der ersten Nachkriegsjahre: "Die Geschichte einer Gruppe versprengter Menschen, deren Wege sich in Münchens zerbombtem Regina-Palast-Hotel kreuzen, vermittelt eindrucksvoll die Seelenlage der atomisierten deutschen Nachkriegsgesellschaft: Jeder für sich, und alle verstrickt in der Frage nach Schuld, Verdrängung und kollektiver Verantwortung. Jeder allein mit seinem Überleben beschäftigt, mit seiner jüngsten Vergangenheit und der Rolle, die er darin gespielt hat. Und alle unterwegs zu unbekanntem Ziel. Einerseits die alten Gepflogenheiten, Maskierungen, andererseits die Kinder der neuen Zeit mit ihren lässigen Umgangsformen." (Friedemann Beyer)

Stefan Drößler

DVD-Features (Doppel-DVD)

DVD 1

  • München 1945 1945, 76'
  • Fronleichnam 3. Juni 1945 München 1945, 9'
  • Fotos von den Dreharbeiten
  • 20seitiges Booklet mit Texten von Elisabeth Angermair, Stefan Drössler und Peter Nau

DVD 2

  • Zwischen gestern und morgen 1947, 103'
  • Welt im Film: Filmstart in Geiselgasteig 1947, 3'
  • Fotos von den Dreharbeiten
  • Originale Aushangfotos

Herausgeber: Filmmuseum München und Stadtarchiv München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drößler

1. Auflage Juli 2010, 3. Auflage Januar 2011, 4. Auflage März 2011

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel RegionalcodeFSK
4:3 (PAL)
1,37:1
Dolby Digital 2.0
(mono)
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