Ludwig II., König von Bayern

Ludwig II., König von Bayern

Edition Filmmuseum 46

Schon früh in der Filmgeschichte wurde der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommene Bayernkönig Ludwig II. und seine Märchenschlösser zum Filmthema. Die Doppel-DVD vereint die beiden ersten erhaltenen Stummfilme über Ludwig II. in neu restaurierten Fassungen. Rolf Raffés Das Schweigen am Starnbergersee arbeitet den Konflikt zwischen dem König und seiner Familie heraus, Wilhelm Dieterles Ludwig der Zweite zeigt Ludwig als einen unglücklichen Menschen, der dem Wahnsinn nahe steht und wurde seinerzeit von der Zensur verboten, gekürzt und verändert. Christian Rischerts Dokumentarfilm Im Ozean der Sehnsucht besucht die opulenten, goldschimmernden Galerien, Schlösser und Grotten und empfindet die subjektive Gedankenwelt von Ludwig II. nach.

Die Filme

Das Schweigen am Starnbergersee - Deutschland 1920 - Regie: Rolf Raffé - Kamera: Karl Attenberger - Darsteller: Martin Wilhelm, Ferdinand Bonn, Carla Nelsen, Addy Homberg, Karl Guttenberger, Oskar Bayrer, Anton Herrmann, Ludwig Weng - Produktion: Indra-Film, München - Premiere: 24.1.1920 (Kammer-Lichtspiele, München) - Rekonstruktion: Filmmuseum München - Edition: Gerhard Ullmann, Stefan Drößler - Bildbearbeitung: Christian Ketels - Musik: Günter A. Buchwald - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

Ludwig der Zweite - Deutschland 1930 - Regie: Wilhelm Dieterle - Drehbuch: Wilhelm Dieterle, Charlotte Hagenbruch - Kamera: Charles J. Stumar - Darsteller: Wilhelm Dieterle, Rina Marsa, Theodor Loos, Trude von Molo, Gerhard Bienert, Hans Heinrich von Twardowski, Max Schreck - Produktion: Deutsche Universal-Film, Berlin - Premiere: 10.3.1930 (Titania-Palast, Berlin) - Rekonstruktion: Filmmuseum München - Edition: Stefan Drößler - Bildbearbeitung: Christian Ketels - Musik: Joachim Bärenz - Tonaufnahmen: Gunther Bittmann, Ernst Schillert

Im Ozean der Sehnsucht - BRD 1986 - Drehbuch und Regie: Christian Rischert - Kamera: Wolfgang Grasshoff - Produktion: Christian Rischert Filmproduktion / Unitel GmbH & Co. KG / Bayerischer Rundfunk - Premiere: 13.6.1986 (ARD)

Über die Filme

Einen "Filmkönig" nennt Enno Patalas den sonderbaren Wittelsbacher, und man versteht die Faszination so vieler Filmemacher vor dieser Figur, von Raffé und Dieterle bis zu Helmut Käutner, Frédéric Rossif, Hans-Jürgen Syberberg und Luchino Visconti. Faszinierend ist freilich nur die Gestalt der träumerischen Königs, die Intrigen und Kabalen am Hofe zu München sind es nicht. Sie sind die banalen Begleitumstände von Realpolitik in einem Bundesstaat, der im Schatten eines mächtigen Verbündeten steht.

Jeder Film muß sich mehr oder weniger holprig durch die Auftritte von Vasallen und Beamten, von vermeintlichen oder echten Freunden durchkämpfen. Richard Wagner wird um der Dramaturgie willen zu einem noch unangenehmeren Zeitgenossen als in Wirklichkeit. Das eigentliche Thema, die Erscheinung eines monomanischen, von seiner Königswürde überzeugten Einsamen in einer ihm nicht angemessenen Zeit, geht im Anekdotengestrüpp verloren. Carl Amery hat darauf aufmerksam gemacht, daß Ludwig mir seinem Schicksal und seinem Tod unfreiwillig Älteres nachvollzog, einen Mythos, "echtes keltisches Sagenmaterial". Amery nennt die Parallelen: "... Grotten und geheime Wunden der Seele; das schwarze Wasser des Sees... ; vorher die wirre Flucht mit Schlitten und Wagen von Schloß zu Schloß und in die Trollwelt der Hundinghütte..." Ludwigs Tod sei eine "mythische Katastrophe" gewesen.

Seltsam, daß niemand im deutschen Stummfilm, wo man doch eine Affinität zum Sagenhaft-Mythischen, zum Aufblitzen von Lichtern in nebelhafter Düsternis hatte, sich der Gestalt des Königs angemessen annahm. Raffés Film ist eine naive, wenn nicht primitive Anthologie von lebenden Bildern. Immerfort schreiten Ludwig (sehr effektvoll gespielt von dem Possart-Schüler Ferdinand Bonn) und Sissy durch kostbar ausgestattete Interieurs.

Dieterle, der seinen Film für Carl Laemmle, für den amerikanischen Markt drehte, lieferte einen nüchternen, neu-sachlichen Report. Den Charakter der klinischen Studie beeinträchtigte Dieterle, indem er den König selber spielt. Denn Dieterle war eher der Typ des kraftstrotzenden Naturburschen. Trotzdem darf der Film von 1930 nicht ohne Respekt gesehen werden. Mythisches kam nur beiläufig vor, wenn der Starnberger See aus der Vogelperspektive als düsteres unheimliches Loch gezeigt oder wenn die Gestalt des Königs von Fackellichtern aus der Nachtschwärze herausmodelliert wurde. Ludwig II. wurde in Dieterles Film zu einem Verwandten der von ihrer Umwelt verkannten Jugendlichen, etwa aus der Revolte im Erziehungshaus. Die homoerotische Veranlagung des Königs deutete Dieterle an, wenn er ihn mit plastischen Nachbildungen nackter männlicher Körper hantieren ließ. Übrigens wurde der Film seinerzeit vom Münchner Polizeipräsidenten verboten, wegen "Gefährdung der öffentlichen Ordnung". Dieterle zeigte den späteren Prinzregenten als machtbewußten, auf den Neffen nicht die gebührende Rücksicht nehmenden alten Herrn.

Ulrich Kurowski

DVD-Features (Doppel-DVD)

DVD 1

  • Ludwig der Zweite, König von Bayern 1930, 111'
  • Kapitelwahl
  • Musikbegleitung von Joachim Bärenz
  • Standfotos zu allen drei Ludwig-Filmen

DVD 2

  • Das Schweigen am Starnbergersee 1920, 82'
  • Kapitelwahl
  • Musikbegleitung von Günter A. Buchwald
  • Im Ozean der Sehnsucht 1986, 104'
  • 20seitiges Booklet mit Essays von Alfons Maria Arns und Hans-Günther Pflaum

Herausgeber: Filmmuseum München, Goethe-Institut München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Stefan Drössler

1. Auflage Juli 2009, 2. Auflage Dezember 2009

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel Regionalcode
4:3 (PAL)
1,33:1
1,37:1
Dolby Digital 2.0
Deutsche Zwischentitel
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