Hamlet & Die Filmprimadonna

Hamlet & Die Filmprimadonna

Edition Filmmuseum 37

Asta Nielsen, geboren 1881 in Dänemark, war die erste Diva des europäischen Stummfilms. Schon 1913 in Die Filmprimadonna kämpfte Asta Nielsen in der Rolle des Stars für mehr Einfluss auf Prozesse der Filmgestaltung. Zur Umsetzung ihrer eigenen Vorstellungen gründete sie 1920 die Produktionsfirma Art-Film GmbH. Von Hamlet, dem Kassenerfolg des Jahres 1921, blieb nur die amerikanische s/w-Fassung erhalten. 2005 wurde eine mehrfarbige Kinokopie der verschollen geglaubtendeutschen Originalversion von 1921 entdeckt. Die Musikbegleitung der restaurierten Fassung von Hamlet ist eine Neukomposition von Michael Riessler. Die Doppel-DVD dokumentiert den Restaurierungsprozess, die Überlieferung des Films und Entstehung der neuen Musik.

Die Filme

Hamlet - Deutschland 1921 - Regie: Sven Gade, Heinz Schall - Drehbuch: Erwin Gepard - Kamera: Curt Courant, Axel Graatkjaer - Darsteller: Asta Nielsen, Paul Conradi, Eduard von Winterstein, Mathilde Brandt, Heinz Stieda, Lilly Jacobson, Hans Junkermann, Anton de Verdier - Produktion: Art-Film GmbH - Premiere: 4. Februar 1921, Berlin (Mozartsaal) - Rekonstruktion 2007: Deutsches Filminstitut - Edition: Anke Mebold, Thomas Worschech - Bildbearbeitung: Paolo Fonseca - Musik: Michael Riessler - Tonaufnahmen: Frederico Savina

Der elektronische Hamlet - Deutschland 2008 - Drehbuch und Regie: Achim Forst - Kamera: Thilo Stock - Schnitt: Christian Hill - Produktion: ZDF/3sat - Premiere: 23. März 2008, 3sat

Die Filmprimadonna - Deutschland 1913 - Drehbuch und Regie: Urban Gad - Kamera: Karl Freund, Axel Graatkjaer - Darsteller: Asta Nielsen, Paul Otto, Fritz Weidemann, Fred Immler - Produktion: Projektions A.-G. Union, Berlin - Premiere: 5. Dezember 1913 - Rekonstruktion 2007: Nederlands Filmmuseum - Musik: Trio New Amsterdam

Über Hamlet

Die Idee zu dem Hamlet-Film, bei dem sie selber die Hauptrolle spielen wollte, hatte Asta Nielsen laut eigenen Angaben bereits 1919. Erst mit ihrer Produktionsfirma Art-Film sah sie sich in der Lage, den Stoff so umzusetzen, wie es ihr eigener künstlerischer Anspruch verlangte. Ihr Vorhaben, "Hamlet" für die Leinwand zu adaptieren, stieß bereits im Vorfeld auf viel Kritik und hatte eine große Diskussion über die Verfilmbarkeit von Shakespeare-Stücken ausgelöst. Diese öffentliche Aufmerksamkeit konnte von der Art-Film gleichzeitig als Werbung genutzt werden. Anfang Juni 1920 schrieb Asta Nielsen eine Stellungnahme zum Hamlet-Film und der Diskussion darum. Darin verteidigt sie das vielgescholtene Medium Film gegenüber dem hoch gelobten Theater und betont noch einmal, dass ihr Film natürlich "Shakespeare nicht antastet".

Nachdem der Drehbuchautor Erwin Gepard von Asta Nielsen beauftragt worden war, ein Skript für Hamlet zu verfassen, stieß er auf die Theorie von Professor Edward Payson Vining, die sich auf eine frühe Fassung der Hamlet-Sage berief und den explizit femininen Charakter der Hamlet-Rolle betonte. Hamletwurde kurzerhand zur Frau erklärt, was Asta Nielsen somit zur perfekten Hamlet-Darstellerin machte. Zudem konnte den Kritikern einer Shakespeare-Verfilmung mit dem Argument entgegengetreten werden,dass es eben nicht (mehr) Shakespeare war, der verfilmt werde. Nichtsdestotrotz blieb Gepard in seiner Interpretation sehr nahe am Shakespeareschen Hamlet-Drama, wie der Kritiker Willy Haas später konstatierte.

Der Handlungsstrang des Films wird von den Auswirkungen eines Geschlechtertauschs der Protagonisten getragen: Die dänische Königin gibt ihre neugeborene Tochter als Knaben aus in der Absicht, die Thronfolge zu sichern, die durch Überbringung einer Falschinformation über den Tod des Königs gefährdet scheint. Das Mädchen verbringt ihr Leben als Prinz Hamlet. Doch als der König einem Anschlag des eigenen Bruders zum Opfer fällt, der darauf den Thron usurpiert und die Königin zur Frau nimmt, sinnt Hamlet auf Rache.

Als Regisseure für Hamlet verpflichtete Asta Nielsen Mitte Juni 1920 Svend Gade, später Heinz Schall, für die Photographie zeichnen Kurt Courant und Axel Graatkjaer verantwortlich. Die Dreharbeiten begannen bereits Ende Juni in den mit neuester Technik eingerichteten Berliner Jofa-Ateliers. Diese sind als Folge desVersailler Vertrags entstanden, in dem der Flughafen Johannisthal verpflichtet wurde, alle Flugzeuge zu vernichten. Deswegen wurde beschlossen, die mächtige Eisen- und Glashalle zum Filmatelier umzubauen. Die Außenaufnahmen fanden ab August in der Goslarer Kaiserpfalz und im Umland statt.

Mitte November 1920 erscheinen Meldungen, dass Hamlet in einer Privatvorführung im italienischen Königsschloss in Rom vorgeführt wurde. Die deutsche Zensurkarte ist auf den 20.11.1920 datiert. Noch vor der Premiere in Deutschland ist Hamlet im Januar 1921 bereits in zahlreiche Länder verkauft. In Deutschland verkauft die Boston-Films Co.m.b.H. Berlin Hamlet zur gleichen Zeit an die Zic Zac Film GmbH für "Berlin, Osten, Norddeutschland und Mitteldeutschland" und an den Badischen Film Vertrieb Heidelberg für Süddeutschland und verkündet die Berliner Uraufführung.

Holger Ziegler / Thomas Worschech / Anke Mebold

DVD-Features

DVD 1

  • Hamlet 1921, 110'
  • Musikbegleitung von Michael Riessler
  • 20-seitiges zweisprachiges Booklet mit Texten von Holger Ziegler, Thomas Worschech und Anke Mebold

DVD 2

  • Der elektronische Hamlet 2007, 8'
  • Hamlet con Asta Nielsen 2007, 7'
  • Hamlet Fassungsvergleich 2009, 30'
  • Die Filmprimadonna 1913, 17'
  • Musikbegleitung von Trio New Amsterdam
  • Asta Nielsen Privatoptagelser 1912-14, 4'
  • Asta Nielsen Privat 1970, 2'
  • Ausführlicher ROM-Bereich mit Dokumenten zum Film und seiner Restaurierung

Herausgeber: Deutsches Filminstitut und Goethe-Institut München
DVD-Authoring: Ralph Schermbach
DVD-Supervision: Anke Mebold, Thomas Worschech

1. Auflage Juli 2011, 2. Auflage Oktober 2011

TV-Format Originalformat Tonformat Sprache Untertitel RegionalcodeFSK
16:9 (PAL)
4:3 (PAL)
1,33:1
1,78:1
Dolby Digital 2.0
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